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Physiotherapie in Lesotho

 

Thaba-Tseka am 22. Dezember 2011

Liebe Freunde und Bekannte,

Es freut mich, euch jetzt aus dem kleinen Bergkönigreich von Lesotho zu berichten.
Meine Reise (Flug Zürich-Maseru mit Umsteigen in Johannesburg, Dauer:15 Std) verlief gut. Auch die beiden Koffer kamen ohne Verzögerung an und durch den hiesigen Zoll - was nicht selbstverständlich war, hatte ich doch viel medizinisches Material, Vitamin- und Mineralpräparate und Lehrbücher dabei. Es ist meine fünfte Reise seit 2007 und deshalb bin ich schon etwas aufgefallen hier. Die scheinbar strenge Dame am Pult hat schmunzelnd beide Augen zugedrückt.

Die ersten zwei Wochen war ich in Begleitung meiner einheimischen Assistentin Mamello unterwegs. Ich kenne Mamello seit sie ein kleines Kind war. Sie ist Organisatorin, Übersetzerin und Begleiterin für mich hier in Lesotho und sie geniesst mein volles Vertrauen. In einem Gästehaus der mir bekannten Klosterfrauen in Maseru waren wir gut untergebracht. Von dort aus liessen wir uns täglich in vollgestopften öffentlichen Kleinbussen an unsere Ziele rütteln: nach Roma zum St. Josephs-Hospital, nach Morija zum Scott-Hospital, nach Maseru zur Christian Health Association, nach Hlotse zu einem Altersheim und nach Pitseng, zu einer bedeutenden Missionstation im Hinterland von Leribe.
Ich hatte gute Gespräche mit den leitenden Personen dieser Institutionen und begleitete meine Physiotherapie-Schülerinnen bei ihrer Arbeit.
Die Sensibilisierungskurse für angehende Krankenpflegerinnen und Krankenschwestern in Paray sind heute bekannt und so traf ich bei den Leiterinnen der Schulen von Roma und Morija auf offene Ohren.

Schon im kommenden Jahr möchten beide Schulen diese dreitägigen Kurse in die Ausbildung integrieren, um die Schülerinnen für die Anwendung einfacher physiotherapeutischer Grundtechniken, vor allem bei Bettlägerigkeit und Lungenproblemen, zu befähigen.

Das Physiotherapieprojekt profitiert stark auch von der Vergangenheit, da leitende Oberschwestern und Schuleiterinnen ehemalige Schüler und Schülerinnen sind, die sich an den Unterricht in Physiotherapie vor 25 Jahren erinnern. Die aktuellen Informationskurse sollen mithelfen, die Physiotherapie bekannt zu machen und deren Bedeutung als Prävention und Therapie im Spital aufzuzeigen.

Am 7. Dezember kamen wir – nach 8 stündiger Fahrt im Minibus - im Hochland von Lesotho, in Thaba Tseka an. Das Paray-Hospital ist meine zweite Heimat und meine Basis für die kommenden Wochen. Zusammen mit meinen Mitarbeiterinnen Sophia, Khahliso und Fumanang (alle drei in Physiotherapie angelernte Krankenpflegerinnen) empfing ich kurz darauf die 11 Teilnehmerinnen des einwöchigen nationalen Workshops zum Thema Physiotherapie in ruralen Gebieten. Drei Themen standen im Vordergrund: Das behinderte Kind, die Therapie bei Schwellungen und die Vertiefung der Behandlung von kindlichen Fussdeformitäten. Täglich lehrten und lernten wir in der Schule und am Krankenbett. Es gibt zur Zeit viele Patienten im Spital - darunter auch intensive Rehabilitationspatienten.
Da ist zB. Mampa, eine junge Frau mit zwei Kindern. Sie ist an Tuberkulose der Wirbelsäule erkrankt und dadurch an beiden Beinen gelähmt.
Eine alte Frau hat die Beine verbrannt, weil ihr Rock am offenen Feuer in der Rundhütte zu brennen begann.

Viele Menschen leiden an HIV-Infektion und haben dank der medikamentösen Therapien, welche von der Schweizer Organisation Solidarmed unterstützt werden, gute Chancen, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen. Zahlreiche HIV-Patienten haben aber mit Körperschmerzen, Nervenleiden und Lungenproblemen zu kämpfen: alles Indikationen für physiotherapeutische Behandlungen, die von den ausgebildeten Krankenschwestern angeboten werden können.

Wir sind sehr zufrieden und erfüllt von diesem vierten Workshop und freuen uns auf den nächsten Kurs. Er wird im Dezember 2012 stattfinden.

Nun stehen Wochen des klinischen Unterrichtes an.: je ein Besuch im Bergspital von Mantsonyane und Mamohao.

Mein erster Besuch in unserem Heilkräuter-Lehrgarten auf dem Areal des Paray-Hospitals, liess mein Herz hüpfen: Die kleinen Pflanzen sind angegangen! Der Kräutergarten liegt in einer schönen Ecke (5x7 Meter), gleich hinter dem Haus des Chefarztes. Dort wachsen mehr als 20 verschiedene einheimische Heilpflanzen, welche in der Physiotherapie zu Waschungen, zum Inhalieren und zum Herstellen von Massageölen verwendet werden können.

Nach Weihnachten beginnen die Treffen mit den Dorffrauen zum Thema: Heilkräuter und ihre sichere Verwendung in der Prävention.

Im Januar dann beginnen die Sensibilisierungkurse an der Krankenschwesternschule am Paray Hospital. Auch ein Besuch im etwas ferneren Mokhotlong-Hospital steht auf dem Plan. Ich freue mich auf die vierstündige Reise im Jeep dorthin, führt sie doch über eine Bergstrasse bis auf 3000 Meter hinauf, durch wilde abgelegenste Landschaften. Übernachten dürfen wir bei einer ehemaligen Lehrerin der Krankenschwestern-Schule vom Paray Hospital.

Meine Tage sind ausgefüllt mit wertvollen Begegnungen und sinnvollem Tun. Das beschenkt mich mit einem positiven Grundgefühl: Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort, lebe mit Menschen die zu Freunden wurden und tue, was dienlich ist. Dies ist möglich dank Euch!

Von Herzen danke ich Euch im Namen aller Menschen hier in Lesotho, die jetzt und später von unserem Projekt profitieren können.
Gerne melde ich mich wieder in einigen Wochen.

 

Ich grüsse euch herzlich und wünsche euch allen
schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr

Thuso Wolfgang Fasser

 

„Lesotho-Projekt“

Wolfgang Fasser, Treichlerstr. 5, CH-8032 Zürich

Postkonto 87-10638-6,

Eurokonto: UBS AG 8032 Zürich, Konto 251-829574 M1M, BIC: UBSWCHZH80A, IBAN: CH90 0025 1251 8295 74M1 M

 

 




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