Tinnitus

Der lästige Ton im Ohr

Von Susanne Stettler online auf www.coopzeitung.ch

Zehntausende Schweizer müssen mit einem Pfeifen oder Zischen im Ohr leben. Störungen im Gehirn können diesen sogenannten Tinnitus offenbar verstärken. Doch es gibt neue Therapieansätze.

Ein ständiges Pfeifen oder Zischen im Ohr kann einen zur Verzweiflung treiben. Immerhin liegt die Lautstärke des Tinnitus zwischen 5 und 15 Dezibel über der Hörschwelle der Betroffenen. Verstärker wie negativer Stress, Müdigkeit, Lärm, Schmerzen, Schulter-/Nackenverspannungen sowie Kiefergelenkbeschwerden können das Ohrgeräusch noch lauter erscheinen lassen.

Jeder Mensch hört ab und zu für einige Sekunden ein Ohrgeräusch. Bleibt der unbekannte Ton aber bestehen, versucht ihn das Gehirn einzuordnen. Und weil wir nicht wissen, was die Quelle der Wahrnehmung ist, wollen wir sie mit aller Macht identifizieren. Genau da liegt das Problem: Je mehr man auf das Geräusch achtet, desto lauter scheint es zu werden. Bis es schliesslich die gesamte Hörwahrnehmung beherrscht.

Ein Tinnitus ist eine akustische Wahrnehmung ohne äussere Schallquelle. Die Ursachen dafür hat die Wissenschaft noch nicht vollständig entschlüsselt. Experten vermuten jedoch, dass das Hörzentrum nach einer Schädigung von Haarzellen im Innenohr falsche oder zu schwache Signale erhält. Um diese zu entschlüsseln, verstärkt sich das Grundrauschen der Nervenzelle im Hörzentrum, was dazu führt, dass dieses eigentlich «stille» Eigenrauschen ins Bewusstsein rückt und so der berüchtigte Tinnitus entsteht.

Das lästige Phänomen muss raschmöglichst behandelt werden, denn so steigt die Heilungschance um 20 Prozent. Jüngste wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass sich die Fehlverarbeitung der Hör- impulse korrigieren lässt. Wer an Tinnitus leidet, muss lernen, den störenden Ton zu überhören.

So stärken Sie den natürlichen Geräuschfilter im Hirn und vermeiden, dass sich die Ohrgeräusche «abspeichern»:

  • Ruhe bewahren;
  • Stille ist nicht gut, akustische Ablenkung dagegen schon;
  • Tinnitus möglichst wenig beachten;
  • Nehmen Sie Stress weg und gehen Sie nach der Arbeit aus, um sich abzulenken;
  • Schlafen und bewegen Sie sich viel;
  • Schenken Sie dem Ohrgeräusch wenig Aufmerksamkeit;
  • Denken Sie nicht negativ, sondern positiv, und sagen Sie sich: «Ich werde nicht dauerhaft unterdem Tinnitus leiden.»Angenehme Hintergrundklänge füttern das Gehirn, stärken seine Hörfilter und dämpfen so die Ohrgeräusche. Hilfreich sind:
  • Naturgeräusche (zum Beispiel Vogelzwitschern, Wellenrauschen, Regentropfen, Blätterrascheln, Wind, Brunnenplätschern) – entweder live oder ab CD;
  • Zimmerbrunnen;
  • Das Summen eines Ventilators;
  • Radio und Fernseher (nur tagsüber);
  • Entspannungsmusik (auch während der Nacht möglich);Rauschen aus sogenannten Tinnitus-Noisern.Ständig präsent: Das Pfeifen im Ohr kann den Betroffenen das Leben zur Hölle machen.

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