QRV im Bergkönigreich Lesotho
Von Wolfgang Fasser, HB9CCS – 7P8EA
Jedes Jahr führt mich meine berufliche Tätigkeit in die eindrucksvolle Bergwelt von Lesotho, einem kleinen Königreich im südlichen Afrika. Mein Ziel ist Thaba-Tseka im Hochland – eine karge, wilde und zugleich unglaublich schöne Landschaft. Dort verbringe ich jeweils mehrere Wochen und unterrichte seit mittlerweile 45 Jahren Physiotherapie am lokalen Distriktspital.
1987 erhielt ich mein Rufzeichen 7P8EA. Seither gehört der Amateurfunk zu meinen wichtigsten Freizeitbeschäftigungen, und wann immer es die Zeit erlaubt, bin ich in Telegrafie und Telefonie aktiv.
Mein Standort
Während meines Aufenthalts lebe ich bei einer afrikanischen Gastfamilie im einfachen Quartier der ärmeren Bevölkerung. Kleine Häuser und Hütten, Gärten mit Pfirsichbäumen, Hühnern und einigen Hausschweinen prägen das Bild. In dieser Umgebung ist unauffälliges und schlichtes Equipment gefragt.
Meine Antenne besteht aus einem 16 Meter langen endgespeisten Langdraht,
der vom Haus über einen Pfirsichbaum bis hinunter zum Schweinestall gespannt wird. Dazu mein TS-2000
– und schon könnte es losgehen. Fast jedenfalls. Denn zuerst muss ich im nahegelegenen Laden noch Strom kaufen.
Das Haus verfügt über einen Anschluss ans öffentliche Netz. Meine Gastfamilie lebt jedoch sehr bescheiden: Abends erhellen Kerzen die Räume, gekocht wird über dem offenen Feuer, und Strom wird kaum vermisst. Mit einem Zahlencode auf einem kleinen Zettel geben wir die gekaufte Elektrizität direkt am Stromzähler ein – und schon fliesst der Strom.
On Air als 7P8EA
Lesotho ist unter Funkamateuren ein begehrtes Land. Sobald ich rufe, entstehen Verbindungen in alle Welt. Besonders häufig gelingen QSOs nach Europa sowie nach Nord- und Südamerika, während Asien seltener vertreten ist. Überraschend wenige Stationen höre ich vom afrikanischen Kontinent selbst.
Faszinierend ist die Ausbreitung: Auf den höheren Bändern sind DX-Verbindungen beinahe jederzeit möglich. Auf 40 und 80 Metern hingegen dominieren starkes atmosphärisches Rauschen und lautes statisches Knacken, was Verbindungen oft erschwert. Diese Entladungen treten regelmässig auf und machen sich gelegentlich auch auf 20 Metern bemerkbar.
Deshalb konzentriere ich mich hauptsächlich auf die oberen Bänder. Trotz der einfachen Antennenanlage funktioniert der Betrieb erstaunlich gut. Es fühlt sich manchmal fast wie ein kleines Wunder an, wenn plötzlich Stationen aus aller Welt auftauchen – meistens über Distanzen von mehr als 8'000 Kilometern.
In dieser Höhenlage treten regelmässig heftige Gewitter mit Blitz und Donner auf. Dann heisst es, die Antenne frühzeitig abzuhängen und geduldig abzuwarten. Diese Gewitter sind nicht nur für die Technik gefährlich, sondern auch für die Menschen. Nach nahezu jedem stärkeren Unwetter werden im Spital Personen mit Blitzverletzungen eingeliefert.
Verbindungen mit Schweizer Stationen
Erstaunlicherweise sind Verbindungen in die Schweiz oft schwieriger als erwartet. Länder in der Umgebung Europas, selbst grenznahe Regionen, lassen sich meist problemlos erreichen. Schweizer Stationen hingegen gelingen oft nur bei besonders guten Bedingungen. Dieses Phänomen kann ich mir bis heute nicht vollständig erklären. Dennoch freue ich mich bei jeder Aktivierung über einige gelungene QSOs mit HB-Stationen.
Meine Hausfrequenzen
Um den Funkbetrieb zu erleichtern, bin ich häufig auf festen Frequenzen aktiv, beispielsweise:
- 28.051 CW
- 28.423 SSB
- 21.223 SSB
- 21.051 CW
Sobald ich QRV bin, setze ich einen Spot im Cluster ab, damit interessierte Stationen mich leichter finden. Auf APRS.FI kann meine Position unter 7P8EA-5 eingesehen werden. In den letzten drei Betriebswochen kamen so rund 480 QSOs zusammen, die ich im Logbuch von 7P8EA auf QRZ.com eintrage – selbstverständlich bestätigt mit Papier-QSL via Büro.
Die Aktivierungen aus Lesotho kündige ich jeweils im Voraus über verschiedene Amateurfunkmedien an.
Wann ist 7P8EA wieder in der Luft?
Schon bald: Vom 25. Oktober bis zum 25. November 2026 bin ich wieder als 7P8EA QRV.
Wer gerne einen Sked vereinbaren möchte, kann mir jederzeit per E-Mail schreiben: hb9ccs@uska.ch
73, Wolfgang