Physiotherapie in Lesotho

 

fazitreport – Fahrwangerzitig – www.fahrwangen.ch | 11. Jahrgang | Nummer 42 | MAI 2017 

 

Ende letzten Jahres arbeitete Ina Franzen, Physiotherapeutin in der Praxis Petra Eckstein, drei Wochen lang in Lesotho, einem von Südafrika umschlossenen kargen Bergland. 

Von Hans-Hermann Janknecht

Über Wolfgang Fasser, der seit Jahren Fortbildungen in der Physiotherapie in Fahrwangen leitet, ergab sich für Ina Franzen die Möglichkeit, ihr Wissen in einem der ärmsten Länder der Welt weiterzugeben.

Ina Franzens Einsatz in Afrika begann im November im nördlich gelegenen Ort Seboche, in einem von Schweizern gegründeten, und heute von Nonnen geführten Spital. Dort bildete sie gemeinsam mit Wolfgang Fasser und einer Heilpraktikerin Physioassistenten, Gesundheitshelfer und Schamanen aus. Es wurden auch Patienten behandelt, die zum Teil viele Kilometer zu Fuss zurücklegten, da es ausser in der Nähe von Hauptstrassen kaum öffentlichen Verkehr gibt. Nimmt man einen Bus, so wird mit der Abfahrt so lange gewartet, bis dieser voll ist. Diese prekäre Situation machen sich Leute, die sich ein Auto leisten können, zunutze, indem sie private Fahrdienste zu überhöhten Preisen anbieten.

Die durchschnittliche Monatsrente in Lesotho beträgt 200 Rand (ca. 20 Franken). Ina Franzen erinnert sich an den HIV-Patienten, dessen Beine durch einen Infekt in der Wirbelsäule spastisch gelähmt waren. Der private Transport ins Spital hätte ihn die Hälfte seiner Rente gekostet! Kurzerhand machte das Team aus der Schweiz am Wochenende eine Wanderung zu diesem Patienten, wo sie die örtliche Gesundheitshelferin für dessen physiotherapeutische Behandlung anleiten konnten.

Im Nonnenkloster Pitseng standen Wolfgang Fasser und seinen Mitarbeiterinnen eine der typischen strohgedeckten Rundhütten aus Lehm und eine Pritsche zur Verfügung. Hier wurden unter schwierigen sprachlichen Bedingungen innerhalb zwei Tagen um die 100 Patienten behandelt! Eine der Patientinnen hatte einen Fußmarsch von fünf Stunden auf sich genommen, um sich therapieren zu lassen. Ina Franzen erkannte auf den ersten Blick, dass der Arm dieser jungen Frau gebrochen war. Sie hatte ihr Gesicht vor dem Stockschlag ihres alkoholisierten Ehemanns schützen wollen. Dieser wurde nach dem grausamen Vorfall aus dem Dorf vertrieben. Das Verbrechen lag bereits sieben Monate zurück, jedoch konnte die Patientin nicht früher zum Arzt, weil sie ihre hochgradig demente Mutter zu Hause nicht allein lassen konnte: Sie musste sie pflegen, sich um den Haushalt kümmern, Wasser vom Brunnen holen, Gartenarbeit verrichten, Wäsche von Hand waschen… und das alles bei gebrochener Elle und Speiche! Mit den Spendengeldern wurde ihr der Transport ins Spital ermöglicht, aus dem sie nach dem Röntgen wieder nach Hause geschickt wurde, weil kein Arzt vor Ort war, der sie operieren konnte. Anfang Januar 2017 erhielt Wolfgang Fasser ein Foto der jungen Frau, auf dem man ihren inzwischen operierten und geschienten Arm sehen konnte. Voller Dankbarkeit wollte sie die gute Nachricht überbringen!

Die vielen weiteren Schicksale haben Ina Franzen tief beeindruckt. Vor allem aber wird sie die vielen wunderbaren Begegnungen dieser Zeit in Erinnerung behalten: Den herzlichen Umgang dieser Menschen, ihre Lebensfreude und Gläubigkeit, die Gesänge und Tänze, die stundenlangen Gottesdienste. Ina Franzen kann sich gut vorstellen, nach Lesotho zurückzukehren, um dort erneut ihr Wissen weiterzugeben.

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Kurz nach seiner Ausbildung zum Physiotherapeut erblindete Wolfgang Fasser als junger Mann vollständig. Er lebt in der Toskana und arbeitet dort als Physio- und Musiktherapeut. Jedes Jahr reist er für 2 bis 3 Monate nach Afrika, wo er sein Hilfsprojekt aufgebaut hat, welches er über Spenden finanziert. Dieses Projekt widmet sich der Aus- und Weiterbildung von Hilfspersonal im Bereich der Physiotherapie. Bisher gibt es in Lesotho lediglich nur sechs ausgebildete PhysiotherapeutInnen. In der Agenda von Wolfgang Fassers Arbeit in Lesotho stehen Besuche in verschiedenen Spitälern, Kurse in physiotherapeutischen Praktiken, Rehabilitationsarbeit, Behandlung von Patienten und vieles mehr.

Weitere Informationen unter: wolfgangfasser.ch und physioinlesotho.ch

 

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Lesotho ist ein kleines und sehr armes Bergland im südlichen Afrika mit ca. 2 Mio. Einwohnern. Die Hauptstadt heisst Maseru und das Land ist ca. 25 % kleiner als die Schweiz. Eines der wesentlichen Probleme ist die hohe AIDS-Rate im Land und die fehlende Infrastruktur.

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